Goerlitz Kocht!
Menschliches
Der mit den Häusern tanzt

Wie ein Fanal flattern die langen Haare im eisigen Dezemberwind. In gekonnter Denkerpose wiegt Wolfgang Kück das im abgelaufenen Jahr ein wenig voller gewordene Kinn in seiner rechten Hand, als wolle er die frisch restaurierten Fassaden am Görlitzer Untermarkt mit zusammengekniffenen Augen Meter für Meter abtasten, um sie einzubrennen in seinen architektonischen Speicher, auf die Festplatte aus Erinnerungen an alle Bauten, die er schon geplant hat und errichtet in seinem langen Berufsleben.

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Spatenstiche

So einfach mal Kaffee trinken ist nicht mehr für Sonja von Richthofen. Jedenfalls nicht neben einer Tiefbaustelle. Überall wo gegraben und gebaggert wird in Görlitz, wo die steinerne Versiegelung des historiengetränkten Bodens für einen kurzen Moment aufgerissen wird, öffnet sich der diplomierten Prähistorikerin ein Fenster zur Geschichte.

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Das Schicksal der Gänse
„Jetzt“, sagt der Mann im grünen Klinik-Kittel, „brauch ich erst mal einen Kaffee“. Und gleichsam entschuldigend hinterher, „ich hab ja auch schon fleißig gearbeitet. Es ist 10 Uhr morgens im Görlitzer Vorort Holtendorf und Dr. Jost Klippl saust wie aufgezogen durch die Tür seines Raucherzimmers.
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Mezzosopran

Sich der Wirkung dieses bildschönen Aschenputtels zu entziehen, dürfte selbst dem abgebrühtesten Prinzen schwer fallen. Wenn die Mezzosopranistin Anne-Carolyn Schlüter als arme Cenerentola in der gleichnamigen Rossini-Oper auf den Brettern des Görlitzer Stadttheater steht, stellt manche Frau im Zuschauersaal mit Erstaunen fest, wie kunstbeflissen der Herr Ehegatte sein kann.

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Trommeln in der Nacht

Im modernen Stadtbild sind Hüte ja leider eine Seltenheit geworden. Vielleicht trägt Detlef Hausmann  gerade deswegen gerne Hut, ist doch auch er ein Seltener. Manchmal will er scheinen wie aus anderer Zeit, wenn er im besten dunklen Anzug vor seinem Schmuck und Uhrengeschäft am Görlitzer Untermarkt den Gehsteig fegt.

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Der Räuchermann

Die „aficionados“ dieser Welt haben einen neuen Ort für ihre Sehnsüchte: Görlitz. Aficionados, so nennen sich die Liebhaber guter Zigarren, aber Görlitz als Mekka der Tabakfreunde scheint auf den ersten Blick doch ein wenig gewagt.

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Flötentöne

Ulrike Engelke steht zwischen gepackten Taschen. „Wo ist denn nur mein Telefon? Eben war es doch noch da.“ Die gespielte Verzweiflung will man ihr nicht recht abnehmen, diese Frau ist muss es gewöhnt sein, zu reisen.

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Generalmusikdirektor Ost

„Görlitz ist wirklich einzigartig.“ Der das so ehrfurchtsvoll sagt ist ein Scheidender und so mischen sich Wehmut wie auch ein bißchen Erstaunen in das Gesicht des Mannes mit dem markanten Schweizer „Rrr“ in der Kehle.

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Paketausfahrer Pohl

Ottendorf-Okrilla, zwei Uhr nachts. Im Frachtzentrum der gelben Post orgeln die Kaltstarter der Beleuchtungsröhren ihr allmorgendliches Begrüßungsstakkato. Während fleißige Hände dort die zweitausenvierhunderfünfunddreißig Pakete sortieren, die für die Zustellbasis Görlitz bestimmt sind, dreht sich Roland Pohl noch einmal friedlich schlummernd unter der warmen Decke um.

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Die Szene lebt

Bisweilen sind Umwege ja ganz förderlich. Sie erweitern den Horizont und ermöglichen Entwicklungen, von denen man sich ansonsten kaum hätte träumen lassen. Wenn Karsten Wiesner heute auf die verschlungenen Pfade zurückschaut, die ihn zu einer begehrten Adresse in der Musiklandschaft haben werden lassen, kann er lachen. Was nicht immer so war.

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